Projektverlauf & Dynamik

Begegnung und Kulturaustausch im Kontext Kultureller Bildung

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Im Vordergrund des Projekts steht der Gedanke der Kulturellen Bildung. Dem Team war dieser Aspekt für die Durchführung und Gestaltung des Projekts ein zentrales Anliegen. Das Konzept berücksichtigte bei der Planung insbesondere, dass neben der ästhetischen Arbeit ausreichend Zeiträume für Sprachbegegnung, Gruppenaktivitäten sowie Freizeit eingeplant waren.

Der Projektplan integrierte daher neben der Theaterarbeit tägliche Spracheinheiten, großzügige Essenspausen (zwei Stunden Mittag), Freizeiten für Gruppenaktivitäten sowie individuelle Gestaltung.

Es ist einfach, schöne Ziele zu formulieren, ihre Umsetzung erweist sich im Prozess als permanente Aufgabe. Denn auch hier ist Kommunikation der Schlüssel. Unser erster französischer Partner empfahl uns 2012  im ersten gemeinsamen Projekts, die Teilnehmenden möglichst nicht nach Befindlichkeiten und Wünschen zu fragen; die Zeit für die Theaterarbeit sei sowieso zu knapp und Spielräume für Unternehmungen der Gruppe wären nicht vorhanden. Es war seine persönliche Antwort auf die Frage, warum im Zeitplan keine Aktivitäten und Austauschphasen vorgesehen waren. Wir haben uns nach Ende des Projekts einen neuen Partner gesucht, der inhaltlich auch die Ziele Kultureller Bildung verfolgt.

Auch aus den Erfahrungen des ersten Jahres hatten wir seither eine besondere Aufmerksamkeit für die Schaffung von offenen Austauschmomenten, die gerade den individuellen „Befindlichkeiten“ der einzelnen Teilnehmenden Raum geben sollten. Diese Zeit außerhalb fokussierter Aktivitäten, die zu ungeplanten Begegnungen aller Beteiligten führten, sind unseres Erachtens sehr bedeutsam für die Qualität des Austauschs. In solchen Momenten sind Details erkennbar, werden in ungezwungenen Konstellationen Informationen ausgetauscht, findet ein Kennenlernen statt. So war es kein Zufall, dass nach einem Gespräch in einem Abschluss-Feedback beschlossen wurde, die Nachmittagspause im letzten Drittel des Projekts um eine Stunde zu verlängern und den Morgen eine halbe Stunde später zu beginnen.

Beispiel eines Tagesablaufs

Datum Inhalte / Sujéts ANMERKUNGEN
Sonntag, 30.09. Einführung Improvisation  
8.30-09.30 Frühstück  
10.00 – 11.30

 

Warm up Bodywork / Impro
11.30 Pause  
12:00-13.30 Uhr Bilder-Sprache: Gesaltung Körperportrait und Austausch Kommunikation
15.00-18.30 Freizeitgestaltung und Ausflug zur Ziegenfarm  
18.30-19.30 Abendessen  
20.00 Open Space / Art and Social subjects Offene ästhetische und soziale Zeit

Begegnung mit der Umgebung

Weitere Highlights waren u.a. der Ausflug zur Ziegenfarm und an den Rhein. Unser Ziel war es, einerseits durch die Theater- und Spracherfahrungen, aber auch anhand der Freizeitgestaltung eine möglichst interessante und bunte Vielfalt an Eindrücken in das kulturelle Leben in Hessen zu erlauben. Gleichzeitig waren die Teilnehmenden aber auch manchmal froh, wenn es kein offizielles Programm gab. Insbesondere in der Mittagspause bestanden Spielräume für individuelle Planung oder einfach für etwas Rückzug, um Eindrücke verarbeiten zu können. Die Möglichkeiten, bei Tischtennis im Tagungshaus oder mit Spaziergängen in der schönen Umgebung Rauenthals Entspannung und Freizeit zu gestalten, wurden gerne wahrgenommen. Insbesondere in den „Regenpausen“…!

Begegnung mit der Öffentlichkeit

Als ein besonderes Ereignis wurde der offizielle Projektabend in der Begegnung mit dem Publikum geplant. Dieser Abend war nicht „das“ Ereignis, auf welches von Projektbeginn in Frankreich quasi hingearbeitet wurde. Nein, es war nur ein besonderer Abend, der der Gruppe, dem Projekt eine Begegnung mit Öffentlichkeit erlauben sollte. Dazu gab es eine Einladung über die Homepage des Tagungshauses und viele Einladungen an das Netzwerk Kultureller Bildung: Familie, FreundInnen, KollegInnen, ehemalige Teilnehmende, Presse, etc., sodass ein fröhlich-freundliches Publikum zur Veranstaltung kam. Wir hatten explizit dazu eingeladen, dass die Gäste nach der Performance bleiben und gemeinsam mit den Projektteilnehmenden den Abend  verbringen können. Für die „After-Show-Party“ hatten wir eine junge Band aus Frankfurt eingeladen: OZAKE BONDAGE. Einer der Musiker hatte im Vorjahr am Projekt teilgenommen und wir nutzten diese tolle Gelegenheit, um seine Band zu engagieren.

 

Begegnung und Austausch im ästhetischen Raum

Ein weiterer Grund für unsere Entscheidung war die Tatsache, dass die Band der Improvisation sehr verbunden ist und wir hofften, dass nach der offiziellen Aufführung  im Kontakt mit den Performern auch ein ästhetischer Austausch möglich wäre: Der Abend übertraf alle Erwartungen. Bis nach Mitternacht entwickelte sich im Tanz und in der Musik eine spannende Performance als gemeinsame Begegnung zwischen Musikern und Performern, die soweit ging, dass Musiker tanzten und einige der Performer Musik machten und auch sangen. Alles im Fluss des Augenblicks, ohne Verabredung im direkten Kontakt als Ergebnis einer Begegnung im ästhetischen Raum.

 

Begegnung in der Gruppe

De Gruppe kam durch die Arbeit sehr schnell miteinander in persönlichen sowie kreativen Kontakt, sodass u.a. mononationale oder linguale Gruppenbildungen gar nicht erst aufkamen. Dies war nicht zuletzt in den informellen Zeiten der Begegnung, während der Pausen und gemeinsamen Unternehmungen am Abend festzustellen, in denen denen beispielsweise Wortspiele und Fragmente in beiden Sprachen wieder auftauchten und häufig humorvoll benutzt wurden.

Sehr positiv empfanden alle Beteiligten beispielsweise in der reizvollen Umgebung des Weindorfes stattfindende Tätigkeiten, die das Erkunden und Kennenlernen der Umgebung in die Projektaktivitäten einbezogen

Insgesamt war deutlich, dass die TN ihre Strategien der Kommunikation, nonverbal oder verbal, immer weiter ausbauten und bei Kommunikationsschwierigkeiten sehr geduldig und humorvoll miteinander umgehen konnten. Dies zeigte, dass im Vorfeld einer deutsch- französischen Begegnung Sprachkenntnisse nicht zwingend notwendig sind und nonverbale Kommunikation ein großer Bestandteil der Verständigung ausmacht. Sprachbegegnung und Performance sind  aufgrund der ähnlichen Ideen beider Ansätze, nämlich der Fokus auf das Herstellen eines guten Kontakts und Kommunikation unter den TN, sehr fruchtbar. So konnten Kommunikation und Austausch auf allen Ebenen gefördert werden: physisch, sprachlich (im Sinne einer Versprachlichung und einer „VerLautbarung“) sowie auf eine spielerische Art und Weise.

Das Projekt verlief aus Sicht der Projektverantwortlichen sehr positiv. Jürgen Genuit, unser französischer Partner war die letzten Tage zum Projekt dazugestoßen, sodass wir gemeinsam den Austausch beschließen konnten. Die Stimmung war sehr gut und der Abschied viel offensichtlich allen Beteiligten schwer.

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